Louis Spohrs Klarinettenkonzert Nr. 1 entstand im Winter 1808/09, als die Klarinette sich gerade erst als Orchester- und Soloinstrument etabliert hatte. Die heute bekannten Solokonzerte von Spohr und Weber aus dieser „Pionier-Zeit“ um 1810 sind der jeweils intensiven Zusammenarbeit zwischen Komponist und Interpret zu verdanken. Die technisch äußerst anspruchsvollen Klarinettenkonzerte von Spohr sind für den Virtuosen Johann Simon Hermstedt geschrieben. Nach den ersten erfolgreichen Aufführungen entschloss sich der Komponist, für die Druckausgabe die Solostimme zu vereinfachen.Die „Breitkopf Urtext“-Ausgabe geht auf das Partiturautograph und den davon häufig abweichenden Stimmenerstdruck zurück. In der Solostimme sind dabei die leichteren Varianten ebenso übernommen wie die ursprüngliche Fassung.
In der Flötenmusik der Barockzeit sind die Werke von Bach und Händel an musikalischem Rang sowie an Bekanntheit und Beliebtheit unübertroffen. Dabei wird leicht übersehen, dass zahlreiche Komponisten desselben Zeitraums reizvolle Musik für Flöte komponiert haben. Als Beispiel möge der einleitende langsame Satz der Sonate in a-moll von Johann Christian Schickhard dienen. Über dem in absteigender Chromatik gestalteten Chaconne-Bass entwickelt die Flöte abwechslungsreiche melodische Bögen. Dies ist nur eine der musikalischen Überraschungen dieses vielfältigen Bandes.
Man möchte kaum glauben, in welchem Umfeld diese poetischen „Soiréestücke“ (so der ursprüngliche Titel) entstanden sind: Dresden war im Jahr 1849 geprägt von schweren politischen Unruhen, die Schumann schließlich zwangen, mit Clara aufs Land zu fliehen. Nichts davon ist in dieser Musik zu spüren; der idyllische Charakter dieser drei Sätze steht vielmehr für die Sehnsucht nach Harmonie und Privatheit. Ursprünglich für die Klarinette gedacht, enthielt schon die Erstausgabe eine alternative Violin- und Violoncellostimme. Wir haben unsere bewährten Ausgaben einer gründlichen quellenkritischen Revision unterzogen und einen ausführlichen Kommentarteil beigefügt.?
Eigentlich komponierte Robert Schumann nur ein Werk für die Klarinette, und zwar die „Drei Fantasiestücken“ op. 73 für Klarinette und Klavier vom Februar 1849. Doch die „Drei Romanzen“ op. 94 für Oboe, die Ende desselben Jahres entstanden, kamen seinerzeit auch jeweils mit einer Solostimme für Klarinette und für Violine auf den Markt. Klarinettisten sind sicher erfreut darüber, dass der G. Henle Verlag der Idee der Alternativbesetzung folgt. Das Manuskript, das Robert seiner Frau Clara 1849 als Weihnachtsgeschenk überreichte, ist nicht erhalten. Dafür konnten für die Urtextausgabe autographe Entwürfe herangezogen werden, die so manche Unstimmigkeit der Erstausgabe von 1851 richtigstellen. Vorwort und Bemerkungen der Herausgeber geben über die Quellen und Textfragen ausführlich Auskunft.
Bach hatte eine Vorliebe für Solowerke für diejenigen Instrumente, die normalerweise mit Klavierbegleitung versehen werden. So ist es nur konsequent, wenn er neben der Violine und dem Cello auch die Flöte mit der für ihn typischen Melodiegestaltung bedenkt. Durch geschickten Einsatz von Akkordbrechungen gelingt ihm sogar die Illusion von Mehrstimmigkeit. Dabei wird deutlich: Bachs gesangliche Kantilenen überzeugen auch ohne Unterstützung durch begleitende Akkorde eines Tasteninstruments. Ein Höhepunkt der Flötenliteratur!
Für wen schrieb Carl Philipp Emanuel Bach seine Solosonate? Immer wieder ist als Adressat der Sonate der preußische König Friedrich II. ins Spiel gebracht worden. Bach hätte Musik, die exklusiv dem König zugedacht war, jedoch nicht der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Das Flötensolo erschien aber in den 1760er Jahren gleich zweimal im Druck. Das Rätsel wird sich nicht lösen lassen. Heute gehört das dreisätzige Werk zu den Solo-Stücken, die jeder Flötist einmal gespielt haben muss – wahrhaft königliche Musik. Der Travers-Flötist Karl Kaiser steuert kenntnisreiche Kommentare zur Aufführungspraxis bei.
Neben der Partita a-moll von Johann Sebastian Bach (HN 457) und der Sonate a-moll von dessen Sohn Carl Philipp Emanuel (HN 555) waren es vor allem die 12 Fantasien Telemanns, die das Flötenrepertoire in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts um Sololiteratur bereicherten. Der Zyklus Telemanns hatte offenbar eine große Wirkung auf die Welt der Traversflötisten. Der Komponist ließ seine Fantasien um 1727 drucken (möglicherweise hatte er die Ausgabe sogar selbst gestochen). Schon bald galt das Werk als beispielhaft und machte Schule. Unsere Ausgabe basiert auf Telemanns Druck, den wir außerdem als Faksimile der Edition beigeben. Ein aufführungspraktischer Kommentar der Traversflöten-Expertin Rachel Brown rundet die Ausgabe ab.
Mit diesem auch unter Klarinettenschülern beliebten "Schlager" eröffnet Henle die Reihe der Klavierauszüge zu Webers Werken für Klarinette und Orchester. Der Ausgabe liegen zwei Stimmen bei: die Urtextstimme von Webers Fassung und eine Stimme mit der weit verbreiteten Fassung nach Carl Bärmann.?
Carl Maria von Webers Konzert in f-moll gehört zu den Kompositionen ersten Ranges für die Klarinette als Soloinstrument - weltweit fest etabliert im Konzertrepertoire. Die von Norbert Gertsch vorgelegte Urtextausgabe mit Klavierauszug stellt die originale Solostimme vergleichend neben die verbreitete Fassung Carl Bärmanns (beide Stimmen liegen der Ausgabe bei). Im begleitenden Textteil wird die Bedeutung beider Fassungen und ihr Verhältnis zueinander ausführlich erläutert.?
Nach dem "Concertino" und dem ersten Klarinettenkonzert f-moll op. 73 erscheint nun das zweite Konzert in der von Norbert Gertsch vorgelegten Edition. Auch hier wurde wieder im Klavierauszug die originale Solostimme vergleichend neben die verbreitete Fassung Carl Bärmanns gestellt (beide Stimmen liegen der Ausgabe bei). Im begleitenden Textteil wird die Bedeutung beider Fassungen und ihr Verhältnis zueinander ausführlich erläutert.?
Ursprünglich für die Klarinetten-Abschlussprüfung am Pariser Conservatoire geschrieben, hat sich Debussys „Première Rhapsodie“ rasch zu einem Schlager des Klarinettenrepertoires entwickelt – ein hochimpressionistisches Werk, das fabelhaft mit den klanglichen Möglichkeiten der Klarinette spielt. Der Erfolg war so durchschlagend, dass Debussy die Klavierbegleitung später für Orchester transkribierte – in dieser Form ist die Rhapsodie bis heute in den Konzertsälen rund um die Welt zu hören. Als Bonbon enthält unsere Ausgabe außerdem das beliebte „Petite Pièce“ – ein originelles, nicht einmal 40 Takte langes Stück, eigentlich erdacht für die Prüfung des Vom-Blatt-Spiels. Doch was hat Debussy daraus gemacht!?
Bitter beklagte sich Berg in einem Brief an Erwin Schulhoff über die vergeblichen Mühen, einen Verleger für seine „Clarinettenstücke“ zu finden: „Wieder auf eigene Kosten! Ein paar antike Wohnungsgegenstände haben dazu herhalten müssen ...“. Die knappen Miniaturen sind beste Beispiele der Gattung der „kleinen Stücke“, wie sie auch Arnold Schönberg oder Anton von Webern vorgelegt haben. Experimentierfreudigen Klarinettisten seien diese kurzen, aber geistreichen Piècen im Henle-Urtext wärmstens ans Herz gelegt. Diese Ausgabe ist weltweit lieferbar.?
Die Oboensonate op. 166 war die erste von drei Bläsersonaten, die Saint-Saëns in seinem letzten Lebensjahr schrieb. Zeitlebens eher mit den Tasten- und Streichinstrumenten vertraut, bewegte sich der Komponist diesmal auf eher ungewohntem Terrain. Den Tonfall und die speziellen Charakteristika dieser Instrumente traf er dennoch auf Anhieb. Um sicherzugehen, dass die Stimmen die jeweiligen technischen und klanglichen Eigenheiten berücksichtigen, ließ er sich vor der Veröffentlichung von befreundeten Bläsersolisten beraten. Seine Sonate op. 166 fand höchste Zustimmung des Oboisten; eine Briefstelle bezeugt: „Es lief wie am Schnürchen“. Diese Urtextausgabe konsultierte erstmals auch das Autograph.?
Für unsere Urtextausgabe der Klarinettensonate op. 167 konnte erstmals das Autograph zu Rate gezogen werden. „Im Augenblick konzentriere ich meine letzten Kräfte darauf, den selten bedachten Instrumenten die Möglichkeit zu geben, zu Gehör zu kommen“, schrieb Saint-Saëns im April seines Todesjahres an einen Freund. Je eine Sonate für Oboe, Klarinette, Fagott entstanden auf diese Weise; die Uraufführungen erlebte er nicht mehr. In Form und Tonfall beziehen sich die drei Bläsersonaten op. 166 –168 auf den galanten Stil des 18. Jahrhunderts und nähern sich damit der neoklassizistischen Bewegung um 1920 an. Humor, Witz und feine Ironie zeichnen diese Bläserwerke aus.?
Nach der Oboen- und Klarinettensonate bildet die Fagottsonate den Abschluss der Bläserkompositionen aus Saint-Saëns’ Todesjahr 1921 – zur außerdem geplanten Sonate für Englisch Horn kam es nicht mehr. Das humorvolle, technisch nicht allzu anspruchsvolle Werk lässt kaum ahnen, dass sich der Komponist mit diesem Instrument nicht sonderlich vertraut fühlte. In einem Brief gestand er seinem Verleger, dass er lieber einen Blick ins Lehrbuch geworfen habe, um sich bei einer hohen Stelle über den Tonumfang des Fagotts zu vergewissern. Probespiele mit dem späteren Widmungsträger Léon Letellier verliefen jedoch für beide zu höchster Zufriedenheit. Für die Veröffentlichung unserer Urtextausgabe dieser Sonate stand erstmals auch das Autograph zur Verfügung.?
1894 bat Johannes Brahms den Klarinettisten Richard Mühlfeld, ihn in seinem geliebten Sommeraufenthalt in Ischl zu besuchen, und fügte hinzu: „Gar schön wäre es wenn Sie ihre B-Clarinette mitbrächten und es nicht gar zu eilig hätten“ – denn die beiden Sonaten op. 120 lagen zum gemeinsamen Proben bereit. Erste Aufführungen im privaten Kreis schlossen sich unmittelbar an, von denen in der Presse schwärmerisch berichtet wurde: „Die Sonaten [...] sind wundervoll und werden gewaltiges Aufsehen machen“. Mit Henles Ausgabe dieser heute zum Kernrepertoire der Klarinettisten zählenden Werke setzt der Verlag die Revision der Brahms’schen Duo-Sonaten nach der Neuen Brahms-Gesamtausgabe fort.
Carl Nielsens Fantasiestücke für Oboe und Klavier entstanden 1889/90. Gerade als Geiger in die königlich-dänische Hofkapelle aufgenommen, hatte Nielsen mit seiner Streichersuite op. 1 bereits erfolgreich als Komponist und Dirigent reüssiert. Mehrere Skizzen und Autographe belegen die intensive Arbeit an den beiden gegensätzlichen Oboenstücken, die 1890 als sein Opus 2 erscheinen sollten. Gewidmet sind die beiden Sätze, Romance und Humoreske, dem Oboisten der Hofkapelle Olivo Krause, dessen schöner Ton und virtuose Technik wohl nicht unwesentlich dazu beitrugen, dass diese Miniaturen des „jungen, talentierten Komponisten“ Publikum und Kritik bei der Uraufführung im März 1891 im Sturm eroberten.
Nach dem Grand Concerto f-moll op. 5 (HN 1209), setzen wir unsere Reihe der Klarinettenkonzerte Crusells mit dem B-dur-Konzert Opus 11 fort. Der schwedische Komponist war selbst ein herausragender Klarinettenvirtuose und schrieb sich die Konzerte sozusagen auf den Leib. Wenngleich technisch sehr anspruchsvoll, vermeidet das B-dur-Konzert übertriebene Virtuosität und überzeugt durch seinen melodischen Einfallsreichtum. Eine sehr willkommene Ergänzung zum frühromantischen Klarinetten-Repertoire, die von dem Klarinettisten Nicolai Pfeffer getreu der einzigen erhaltenen Quelle, der Erstausgabe von 1829, in mustergültiger Weise herausgegeben wird. Für den gut spielbaren Klavierauszug zeichnet Johannes Umbreit verantwortlich.
„Oboenconzert 1945, angeregt durch einen amerikanischen Soldaten, (Oboer aus Chicago)“ – so notiert Richard Strauss. Und tatsächlich hatte der „Oboer“ und Besatzungssoldat John de Lancie den Komponisten im Mai 1945 gefragt, ob er denn nie daran gedacht habe, ein Oboenkonzert zu schreiben. Strauss reagierte ablehnend, machte sich aber dennoch bald an die Arbeit. Schon im Oktober 1945 hatte er die Partitur im Schweizer Exil fertiggestellt, 1946 fand in Zürich die Uraufführung statt. Die Erstausgabe erschien erst 1948 in London, vermutlich weitgehend ohne Beteiligung des Komponisten. Denn sowohl gedruckte Partitur als auch Orchesterstimmen weisen zahlreiche Fehler auf. Einige davon sind lange bekannt, andere wurden erst jetzt von Hansjörg Schellenberger durch den genauen Abgleich mit Partiturautograph und Particell aufgedeckt. Der Oboist von Weltruf legt das Konzert damit in Partitur und Klavierauszug erstmals als Henle-Urtextausgabe vor!
Neben Robert Schumanns gleichnamigem Opus 73 gehören die Fantasiestücke des dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade zum unverzichtbaren Repertoire aller Klarinettisten. Gade, der lange in Leipzig gelebt hatte und eng mit Schumann befreundet war, leistete 1864 mit diesem tiefromantischen „Schwesterwerk“ einen wichtigen Beitrag, um die Klarinette als kammermusikalisches Soloinstrument zu etablieren. Die vier Stücke der Sammlung können durchaus einzeln aufgeführt werden und bieten sich ideal für den Unterricht an. Herausgeber und Klarinettist Nicolai Pfeffer zog neben der deutschen und dänischen Erstausgabe auch das Autograph in Kopenhagen zu Rate und konnte so etliche Unstimmigkeiten älterer Ausgaben beseitigen.
Obwohl die Konzerte Louis Spohrs zum Standardrepertoire der Klarinettisten gehören, litten diese bislang schmerzlichen Mangel an verlässlichen Ausgaben. Um diese Lücke zu schließen, legt der G. Henle Verlag nach dem 1. Konzert c-moll (HN 995) eine kritische Edition des 2. Konzerts Es-dur vor. Als einziges der vier Klarinettenkonzerte Spohrs in einer Durtonart stehend, bezaubert das Werk durch den heiteren Tonfall und seine Spielfreude – vor allem im Alla-Polacca-Finalsatz. Kaum zu glauben, dass hiermit die erste Urtextausgabe von diesem Konzert vorgelegt wird! Zur Edition zieht Ullrich Scheideler neben der Leipziger Erstausgabe von 1822 auch eine wichtige frühe Handschrift heran. Der von Christoph Sobanski neu erstellte praxisnahe Klavierauszug überzeugt durch leichte Spielbarkeit. Das Aufführungsmaterial ist leihweise bei Breitkopf & Härtel erhältlich.
21,70 €*
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