„Abends spielten wir Roberts Es dur Quartett … und ich war wahrhaft entzückt wieder von diesem schönen Werke, das so jugendlich“, so schwärmte Clara Schumann 1842. Vorbereitend hatte Schumann Streichquartette der Wiener Klassiker studiert. Im Quartett sind daher alle Stimmen betont kammermusikalisch gleichberechtigt und durchdringen sich zu einem famosen Ensemble. Wegen der verzweigten Quellenlage enthält unsere Urtextausgabe einen ausführlichen Kritischen Kommentar. Die Violoncellostimme kommt der Musizierpraxis durch eine Klapptafel besonders entgegen. Im „Kammermusikjahr“ Schumanns entstanden das Klavierquartett und das Klavierquintett op. 44, die als „Schwesterwerke“ bezeichnet werden. Wir veröffentlichten deshalb im „Schumann“-Jahr 2006 beide zugleich.?
Beflügelt vom Erfolg seines ersten, 1884 erschienenen Klavierquartetts, begann der Komponist nur wenig später mit dem zweiten Werk dieser Gattung. Der Stil ist wesentlich abgeklärter und individueller als im ersten Klavierquartett, wobei Satzfolge und -charakteristik eher an Schumann und Brahms erinnern. Im Andante, so äußerte Fauré später, habe er unbewusst die Erinnerung an Glockenklänge in seiner Kindheit vertont. Durch den Vergleich mit dem Autograph konnte der Fauré-Spezialist Fabian Kolb mit dieser Urtextausgabe zahlreiche Fehler der Erstausgabe korrigieren. Wie auch beim ersten Klavierquartett bei Henle zeichnet der Kenner französischer Musik, Pascal Rogé, für den Fingersatz der Klavierpartie verantwortlich.
Die Anfänge von Brahms’ g-moll-Quartett op. 25 gehen in die 1850er-Jahre zurück, vollendet wurde das Werk jedoch erst im Herbst 1861. Dass der Komponist sein neues Werk hoch schätzte, geht schon daraus hervor, dass er es ein Jahr später bei seinem ersten öffentlichen Auftreten in Wien als Pianist und Komponist aufs Programm setzte. Es ist bis heute das beliebteste der drei Brahms’schen Klavierquartette geblieben, nicht zuletzt wegen seines fulminanten Finalsatzes, einem Rondo alla Zingarese.
Dass Beethoven nur vier Klavierquartette hinterließ, kann man nur bedauern, denn die vier Opera gehören zu den beliebtesten Werken dieses Genres. Drei davon, die Quartette WoO 36, sind noch in Bonn entstanden und gehören zu Beethovens besten Jugendwerken überhaupt. Auch wenn sie Mozart’schen Geist atmen, sind sie doch schon typischer Beethoven. Wie sehr er sie auch später noch schätzte, geht daraus hervor, dass er den langsamen Satz des dritten Quartetts in seiner ersten Klaviersonate, op. 2 Nr. 1, wiederverwendete. Das vierte Quartett stellt eine andere Fassung des Bläserquintetts op. 16 dar.
Die Ursprünge von Opus 26 reichen wie beim g-moll-Quartett op. 25 in die 1850er-Jahre zurück. Seine endgültige Gestalt erhielt es jedoch erst im Sommer und Herbst 1861. Obwohl Clara Schumann in ihrer ersten Beurteilung meinte, das Werk werde „einem erst recht lieb, wenn man es genau kennt, erst oft gehört hat“, schrieb der Freund Joseph Joachim bereits nach flüchtiger Durchsicht, er habe sich „mit dem A-dur-Quartett immer mehr befreundet. Der Ton innigster Zartheit wechselt schön mit frischer Lebenslust“. Opus 26 ist denn auch, schon von seiner „helleren“ Tonart her, eindeutig das eingängigere der beiden benachbarten Klavierquartette.
Der Name Mahlers ist so fest mit den Gattungen Symphonie und Lied verbunden, dass kaum bekannt ist, wie intensiv er sich während seiner Studienzeit mit Kammermusik auseinandersetzte. Von den zahlreichen Versuchen in diesem Bereich blieb lediglich ein zwischen 1876 und 1878 entstandenes Klavierquartett erhalten – und auch davon vollständig nur der erste Satz, der erst in den 1960er-Jahren wiederentdeckt und 1973 erstmals veröffentlicht wurde. Auch wenn Brahms als Vorbild unverkennbar ist, enthält der Quartettsatz genügend Eigenes und auch Eigenwilliges – wie etwa in der quasi-symphonischen Behandlung des Klaviers, – um ihn in unsere Urtext-Reihe aufzunehmen. Als Plus bringen wir zu Studienzwecken im Anhang unserer Ausgabe Mahlers fragmentarischen Entwurf zu einem weiteren Satz, einem Scherzo in gleicher Besetzung.
Das am 1. Januar 1885 abgeschlossene Klavierquartett gehört neben der Cellosonate op. 6 und der Violinsonate op. 18 zu den gewichtigsten Kammermusikwerken des jungen Strauss. Das viersätzige, breit angelegte Werk ist unverkennbar von der Auseinandersetzung mit den Klavierquartetten von Brahms geprägt. Es erlebte zunächst mehrere sehr erfolgreiche Aufführungen und wurde Anfang 1886 sogar vom Berliner Tonkünstlerverein preisgekrönt, geriet aber später weitgehend in Vergessenheit, obwohl es seit Juli 1886 auch gedruckt vorlag. Die Henle-Urtextausgabe ermöglicht nun die Wiederentdeckung eines Werks, das jugendlichen Schwung mit souveräner Beherrschung der Technik verbindet.
Über mehrere Jahre hinweg drängte Dvoráks Verleger Simrock den Komponisten, nach dem 1. Klavierquartett noch ein weiteres Werk dieser Gattung zu schreiben. Die in nur wenigen Wochen im Sommer 1889 vollendete Komposition sollte die Hoffnungen Simrocks erfüllen: Mit Opus 87 lieferte Dvorák ein anspruchsvolles, reifes Werk, in dem sich souveräne Formbeherrschung mit einprägsamen Themen und überraschenden harmonischen Wendungen verbindet - sodass es schnell die Herzen von Musikern wie Zuhörern eroberte. Zwar ist die Stichvorlage der Erstausgabe verschollen. Neben dem Druck stand jedoch das Autograph als zweite Quelle zur Verfügung für diese kritische Edition, mit der Henle die Reihe der Urtextausgaben Dvoráks fortsetzt.
Caskens kraftvolle Ergänzung zur kleinen Zahl moderner Pianoquartette, die für das hervorragende Domus-Ensemble geschrieben wurde, macht sich die großen Unterschiede der Streicher und des Klaviers in Klanglichkeit, Spielschwere und Anschlag zunutze. Caskens Musik besitzt einen Sinn für das Theater, und hier werden die Gesangslinien ständig durch dynamisches rhythmisches Material bedroht. " ... dieser 16minütige Satz erforscht die grundlegende Dichotomie zwischen dem dynamischen perkussiven Tasteninstrument und den singenden, zusammenhängenderen Streichern." (Christopher Morley. The Birmingham Post. 1990)
Christian Jost verbrachte den Sommer 1987 in einem Indianer-Reservat in Arizona. Beeindruckt von der fremden Kultur und tief bewegt von der Begegnung mit einer uramerikanischen Totenstätte, komponierte er neben anderen Werken das Klavierquartett "Ritual Returning", in dem indianische Einflüsse hörbar werden. Das lebhafte Werk gleicht wie viele seiner Werke einer Reise, in der er Eindrücke und Gedanken verarbeitet. "Ritual Returning" ist eine außergewöhnliche Erweiterung des üblichen Repertoires für Klavierquartett. Das Stück wird auch jene Zuhörer begeistern, die zeitgenössischer Musik reserviert gegenüber stehen.
Josts Klavierquartett ist eine Hommage an den bedeutenden japanischen Filmregisseur Akira Kurosawa und dessen Adaptionen dreier Shakespeare-Tragödien ("Hamlet", "King Lear", "Macbeth"). Obwohl "Spinnwebwald" auf Kurosawas Filmtitel "Das Schloss im Spinnwebwald" ("Macbeth") zurückgreift, bezieht sich das Werk nicht nur auf einen einzigen Film, sondern soll eine Grundstimmung wiedergeben. Entsprechend Kurosawas Umsetzung von Sprache in Gestik gelingt dem Komponisten auf einfallsreiche Weise die Übertragung visueller Eindrücke in expressive, farbenreiche Klänge, die Spieler und Hörer in ihren Bann ziehen.
Written in 2012 for the Schubert Ensemble and first performed at the Spitalfields Fesival. A single movement that starts quietly before a jolt from the piano which triggers a fast and restless section which, in turn, arrives at an unexpectedly serene conclusion.
Walter Rabls Quartett entstand 1896 anlässlich eines Kompositionswettbewerbs des Wiener Tonkünstlervereins, wo es den 1. Preis errang und beim Jurymitglied Johannes Brahms höchste Anerkennung fand.
Hans Gáls Klavierquartett in A entstand 1926 als Auftrag des einarmigen österreichischen Pianisten Paul Wittgenstein (1987-1961), dem älteren Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein komponiert. Seine Pianistenkarriere war beeinträchtigt nach dem Paul Wittgenstein seinen rechten Arm in einem Russlandfeldzug des 1. Weltkriegs verlor. – Das viersätzige Werk ist in wahrstem Sinn ein Kammer-„Konzert“, das in seiner Klangfülle und Virtuosität ein „echtes“ Klavierkonzert mitdenken lässt. Die vorliegende Ausgabe wurde nach Auswertung alle vorhandenen Quellen neu erstellt.
87,60 €*
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