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Klavierkonzert op. 25

Titel: "Klavierkonzert op. 25"

Viktor Ullmann vollendete sein Klavierkonzert im Dezember 1939, als Prag bereits von den deutschen Truppen besetzt und die Aussicht auf eine Aufführung längst eine Illusion war. Gewidmet hat er das Werk der ungarischen Pianistin Juliette Arányi (1906–1944), dabei lässt Ullmanns Widmung "Der verehrungswürdigen Meisterin des apollinischen Klavierspiels – ein dionysisches Werk" nicht nur auf die Interpretin, sondern auch auf sein Klavierkonzert schließen. Ullmann spielt mit den Erwartungen, die das Publikum an ein Solokonzert hat – und enttäuscht diese zunächst. Er behandelt das Klavier anfangs wie in einer Sinfonie als zusätzliches Instrument, als Orchesterklavier, bevor es erst gegen Ende des ersten Satzes mit aller Macht dem Thema, das die Posaunen schon zu Beginn des Satzes spielten, gegenübertritt. Das Klavier entwickelt sich also immer mehr von einem motivischen Stichwortgeber zu einem gleichberechtigten, dem Kollektiv gegenüberstehenden Dialogpartner, was den ganz besonderen Reiz dieser dicht sinfonisch gestalteten Komposition ausmacht.

Ullmann empfing zunächst, nachdem er von 1916 bis 1918 an der österreichisch-italienischen Front gekämpft und eine der schrecklichsten Schlachten am Isonzo überlebt hatte, in Wien wichtige Anregungen von Arnold Schönberg, ehe er 1920 zunächst als Chorleiter und Korrepetitor und ab 1922 als zweiter Kapellmeister am von Alexander Zemlinsky geleiteten Neuen Deutschen Theater in Prag tätig war. In Prag erregte er ab 1923 mit Liedern, Klaviermusik und Kammermusik allmählich Aufsehen als Komponist. Viele dieser Werke, wie das Erste Streichquartett aus dem Jahre 1923, sind bedauerlicherweise verschollen. Nach Engagements als Opernchef am Theater in Aussig (1927/28) und als Kapellmeister und Komponist für Bühnenmusik am Schauspielhaus in Zürich (1929–1931) wandte er sich, inspiriert durch Rudolf Steiners Wirken, zunächst vom Theater und vom Komponieren ab und betrieb die "Novalis Bücherstube", eine anthroposophische Buchhandlung in Stuttgart, wo er auch an der Waldorf-Schule unterrichtete. 1933 muss er mit seiner Frau Anna, geborene Winternitz und dem 1932 geborenen Sohn Max aus Stuttgart fliehen – vor den Nationalsozialisten, vor allem aber vor seinen Gläubigern, da sich Ullmann für Kauf und Betrieb seiner Buchhandlung verschuldet hatte. In Prag war er als freier Komponist, Dirigent sowie Privatlehrer tätig, hielt Vorträge, schrieb Artikel und Kritiken für verschiedene deutsche Zeitschriften wie "Der Auftakt" oder "Bohemia". Die Vollendung seiner in Prag begonnenen und erst 1995 in Bielefeld uraufgeführten Oper Der Sturz des Antichrist (1935), nach dem Drama von Albert Steffen (1884–1963), in der ein autoritärer Herrscher an Größenwahn und Machtgier zugrunde geht, stellt insofern eine Zäsur dar, weil sich Ullmann danach zeitweise der Vierteltonkomposition zuwandte und zwei Jahre lang Mikrointervallmusik bei Alois Hába (1893–1973) am Prager Konservatorium studierte. Von den Früchten dieser Beschäftigung ist heute lediglich die Sonate für Vierteltonklarinette und Klavier Op. 16 erhalten. Nachdem sich Ullmann nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei vergeblich um Ausreisevisa für sich und seine Familie bemüht hatte, wurde er 1942 in das KZ Theresienstadt und am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er zwei Tage später ermordet wurde. Zwei seiner Kinder konnten 1939 mit dem einem von Nicholas G. Winton organisierten Kindertransport nach England gebracht worden. Im reichen Kulturleben des Konzentrationslagers Theresienstadt war Ullmann als Pianist, Komponist und Kritiker eine wichtige Figur. Er schuf dort noch weitere Werke, unter anderem sein Drittes Streichquartett. Die in Theresienstadt entstandenen Werke stellen neben den Werken der 1920er Jahre und den Prager Werken der 1930er Jahre einen dritten Werkkreis dar, in dem sich Ullmann wieder seinem, wie er es ausdrückte, von Polytonalität geprägten Stil zuwandte, aber auch wie in den Drei jiddische Liedern für Singstimme und Klavier und in seiner siebten Klaviersonate jüdische Themen verarbeitete.

Christoph Goldstein, 2026

Ausgabe: Studienpartitur
Besetzung: Klavier, Orchester
Erscheinungsjahr: 2026
Reihe: Repertoire Explorer
Komponist: Ullmann, Viktor
EAN: 2560001546054
Verlag: Musikproduktion Jürgen Höflich - MPH
Veröffentlichungsdatum: 01.04.2026