Wie viele Klaviervirtuosen seiner Zeit träumte auch Robert Schumann davon, sich dem Publikum als Pianist und Komponist zugleich in einem eigenen Klavierkonzert zu präsentieren. Bereits in jungem Alter unternahm er erste Versuche. In den folgenden Jahren fühlte er sich jedoch zunehmend von der Idee einer formal freieren Konzeption angezogen. Aus dem Entwurf einer einsätzigen „Phantasie“ entstand schließlich der Kopfsatz des berühmten Werkes, das hiermit erstmals in einer praktischen Urtextausgabe vorgelegt wird. Für den Fingersatz konnte die weltweit gefeierte Pianistin Mitsuko Uchida gewonnen werden. Partitur und Orchestermaterial sind bei Breitkopf & Härtel erschienen.
Sergej Rachmaninows „Rapsodie sur un thème de Paganini“ ist seine letzte und zugleich bedeutendste Komposition für Klavier und Orchester. Als Variationenzyklus über Paganinis 24. Caprice aus Opus 1 steht sie in der Tradition der großen Würfe Franz Liszts und Johannes Brahms’ über dieses berühmte Thema. „Sie ist etwas für das Publikum“, schrieb der Rezensent des „New Yorker“ über eine der ersten Aufführungen der Rhapsodie mit dem Komponisten am Flügel, eine „Folge von pianistisch brillanten Stellen, dramatischen Referenzen zum Dies Irae, offensichtlichem Schmalz in den geteilten Streichern und altmodischer Bravura“. Neben dem zweiten und dritten Klavierkonzert gehört dieses fulminante Werk heute zu Rachmaninows meistgespielten Kompositionen. Für diese erste Urtextausgabe der Rhapsodie konnte der Herausgeber sowohl das in der Library of Congress aufbewahrte Autograph als auch die vom Komponisten betreute Erstausgabe heranziehen. Der Klavierauszug liefert neben der Solostimme eine gut spielbare Reduktion des Orchestersatzes. Parallel zu dieser Ausgabe erscheinen in Kooperation mit Breitkopf & Härtel Partitur und Orchestermaterial. Englisches Originalzitat: „It’s something for the audiences” … “the succession of brilliances for the piano, dramatic references to the Dies Irae, wide-open Schmalz for divided strings, and old-fashioned bravura”
Es dürfte Geschmackssache sein, ob man von den Klavierkonzerten Rachmaninows nun das zweite oder das dritte für sein bestes hält. Sicher ist aber, dass „Rach 3“ mit seiner Fülle an herrlichen melodischen Einfällen heute zu den beliebtesten und zugleich zu den technisch allerschwersten Werken der Konzertliteratur zählt. Der polnische Pianist Josef Hofmann, dem das 1909 entstandene Konzert gewidmet ist, mochte es zeit seines Lebens nicht öffentlich spielen, und erst Vladimir Horowitz verhalf dem Werk auf dem Konzertpodium zum Durchbruch. Für diese Urtextausgabe konnte neben der Erstausgabe und Tondokumenten auch das heute in der British Library aufbewahrte Partiturautograph herangezogen werden. Wie bei allen Rachmaninow-Editionen des G. Henle Verlags stammt der Fingersatz aus der Feder des Jahrhundertvirtuosen Marc-André Hamelin.
Aus Verehrung für den „Walzerkönig“ Johann Strauss plante Ravel bereits 1906 eine Walzer-Komposition, deren Ausführung durch andere Projekte und den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert wurde. Als er 1919 einen Auftrag für ein Ballett erhielt, griff er die Idee wieder auf und komponierte nach eigenen Worten „eine Art Apotheose des Wiener Walzers“. Nach anfänglich eher zurückhaltender Reaktion des Publikums gehört die „Choreographische Dichtung für Orchester“ heute zu den Tophits der Klassik. Die Entstehungsgeschichte des Werks war deshalb besonders, weil Ravel gleichzeitig an zwei Klavierfassungen und der Orchesterpartitur arbeitete. Sowohl die Version für Klavier solo als auch diejenige für zwei Klaviere sind also keine Vorstufen für die finale Orchesterpartitur oder nachträglich erstellte Klavierauszüge, sondern musikalisch eigenständige Werkfassungen, die Ravel auch im Druck erscheinen ließ. Stärker noch als im Orchester treten in diesen reizvollen Klavierfassungen Struktur und Artikulation sowie Klarheit der Linien in einer Komposition hervor. Dies bezeugt einmal mehr Ravels Meisterschaft. Grund genug diese beiden Klavierfassungen erstmals in Urtextausgaben vorzulegen, die auf Grundlage aller authentischen Quellen erstellt wurden.
Gershwins Concerto wurde am 3. Dezember 1925 in der Carnegie Hall – dem Epizentrum der klassischen Musikszene New Yorks – uraufgeführt. Es gehört zu einer Gruppe von selbst auferlegten „Experimenten“, mit denen der Komponist sich Wege in die „seriöse“ Musik eröffnen wollte: „Ich habe bisher nur drei ‚Opera‘ geschrieben – die ‚Blue Monday Oper‘, die ‚Rhapsody in Blue‘ und das ‚Concerto‘. Ich habe viel Zeit in diese Werke investiert, aber sie sind natürlich nicht meine eigentliche Arbeit. Sie sind Experimente – Laborarbeiten in amerikanischer Musik.“ Herausgeber Norbert Gertsch überprüfte für seine Edition eine Vielzahl von handschriftlichen und gedruckten Quellen in den USA und legt hiermit erstmals eine Urtextausgabe dieses sehr populären, vom Jazz-Idiom durchtränkten Klavierkonzerts vor. Parallel dazu erscheinen bei Breitkopf & Härtel Partitur und Orchestermaterial von demselben Herausgeber.