Sechs Werke gehören zur Opusgruppe 9 – die erste geschlossene Gruppe von Streichquartetten, die wir von Haydn kennen. Doch auch formal ging der Komponist hier neue Wege: Orientierte er sich bei den vorangegangenen Quartetten Opus 1 und 2 noch am fünfsätzigen Divertimento, entschied er sich hier für die in Zukunft maßgebliche Form der Viersätzigkeit. Außerdem bediente er sich eines erweiterten Klangraums und experimentierte mit metrischen Überraschungseffekten (so z. B. im Trio des Menuetts aus dem G-dur-Quartett). Diese Studien-Edition, mit einem einleitenden Vorwort des Haydn-Spezialisten Georg Feder, erscheint begleitend zu unserer bewährten Stimmenausgabe HN 206 und erschließt die gern gespielten Werke allen Musikfreunden nun auch als Partitur.?
Mendelssohns Streichquartett op. 80 ist eines seiner wenigen "autobiographischen" Werke, ein ergreifendes musikalisches Dokument seiner Trauer um den Tod der Schwester Fanny und seines Versuchs, den Schmerz um diesen Verlust künstlerisch zu verarbeiten. Ignaz Moscheles schreibt dazu in seinem Tagebuch: "Der leidenschaftliche Charakter des Ganzen scheint mir im Einklang mit seinem tieferschütterten Seelenzustande zu sein...". Die einzig relevante Quelle, Mendelssohns Autograph, enthält zahlreiche Korrekturen, Streichungen und Einschübe. Einige Sonderlesarten in der Abschrift dürften auf die Einrichtung für die Uraufführung zurückgehen und sind in Fußnoten festgehalten.
1899 war Arnold Schönberg 25 Jahre alt, als er sich von Richard Dehmels (1863–1920) gleichnamiger Dichtung, sowie von seiner Liebe zu Mathilde von Zemlinsky zur Komposition eines Streichsextetts inspirieren ließ. Die Uraufführung von Verklärte Nacht fand 1902 statt – es spielten das Rosé Quartett, Franz Jelinek sowie der Komponist Franz Schmidt. Verklärte Nacht ist spätromantische Musik, eine von Arnold Schönbergs populärsten und meist gespielten Kompositionen.Der neu gestochene Notentext liegt der Arnold Schönberg Gesamtausgabe zugrunde.
Unmittelbares Vorbild für dieses erste bedeutende Kammermusikwerk Ravels war das Streichquartett Debussys von 1892/93. Dennoch treten in der 1902/03 entstandenen Komposition bereits unverkennbar Merkmale hervor, die für spätere Ravel-Werke charakteristisch sind: hochentwickelter Klangsinn, unerwartete Harmonisierungen der melodischen Linie, zyklische Verzahnung der Motive und Themen. Ravel sah das Quartett offenbar als eine Art Abschluss seiner Lehrzeit am Pariser Konservatorium an und widmete es seinem verehrten Lehrer Gabriel Fauré. Mit der Urtextausgabe von Ravels Streichquartett auf der Basis aller verfügbaren Quellen wird eine schmerzliche Lücke in Henles Streichquartett-Programm geschlossen – wie immer in zweifacher Form: als Stimmensatz und Studien-Edition.
Der Name Verdi ist im Bewusstsein der Musikwelt so fest mit seinem Opernschaffen verbunden, dass die Beiträge zu anderen Gattungen leicht übersehen werden. Sein einziges Kammermusikwerk verdankt sich einer Zwangspause in Neapel im Frühjahr 1873 wegen verschobener Opernproben, die der Komponist zur großen Überraschung seines Umfelds zur Niederschrift eines Streichquartetts nutzte. Trotz der Orientierung an den Quartetten der Wiener Klassik gelingt Verdi ein eigenständiger, origineller Beitrag zu dieser Gattung, der mit zahlreichen melodischen, harmonischen und kontrapunktischen Finessen keinen Zweifel am kompositorischen Anspruch lässt. Die italienische Erstausgabe dient als Grundlage der Henle-Urtextausgabe, für die aber auch wichtige Nebenquellen wie das Partiturautograph oder die französische Erstausgabe herangezogen werden.