Mit dem „Konzert für Orchester“ eröffnet Henle die Reihe preiswerter Studien-Editionen nach dem Notentext der Bartók-Gesamtausgabe. Als Bartók im Mai 1943 von Serge Koussevitzky den Kompositionsauftrag erhielt, bedeutete dies nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch einen wichtigen schöpferischen Impuls für den schwer kranken Komponisten. Schon im Oktober lag das fünfsätzige Konzert vor, das Koussevitzky begeistert als „das beste Orchesterwerk der letzten 25 Jahre“ bezeichnete. Auch die ersten Aufführungen im Winter 1944/45 waren sehr erfolgreich. Gleichwohl wurde Bartók zur Fixierung eines alternativen Endes bewogen, das der schon im September 1945 verstorbene Komponist allerdings nicht mehr hören sollte. Bartók-Spezialistin Klára Móricz liefert in ihrer Ausgabe beide Versionen und fasst in einem spannenden Vorwort Geschichte und Überlieferung des „Konzert für Orchester“ zusammen. Ein knapper Bemerkungsteil informiert über die wesentlichen Grundlagen der Edition.
Schumanns a-moll-Konzert gilt als das romantische Klavierkonzert schlechthin, und endlich ist es als Urtext-Ausgabe ediert. Die Quellenlage ist leider lückenhaft, denn die Urfassung des ersten Satzes, eine Phantasie aus dem Jahr 1841, die immerhin zwei Probeaufführungen erlebte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Andererseits wirft die posthum erschienene Partitur Fragen auf, denn sie weicht von den 1846 nach der Uraufführung gedruckten und von Schumann autorisierten Ausgaben (Solopart und Orchesterstimmen) ab. Im Klavierauszug konnte für den Fingersatz des Soloklaviers die Pianistin Mitsuko Uchida gewonnen werden. Schumanns große Solokonzerte liegen damit bei Breitkopf komplett in Zusammenarbeit mit bedeutenden Interpreten vor, denn beim Violoncellokonzert war Heinrich Schiff, beim Violinkonzert Thomas Zehetmair beteiligt. „Das Einstudieren des Orchesterparts mit Hilfe der übersichtlichen Partitur ist eine nicht nur auch für Laien technisch bewältigbare, sondern auch eine dankbare Aufgabe.“ (Das Liebhaberorchester) „Dans l’incomparable qualité de gravure de la plus ancienne maison d’édition musicale au monde!“ (L’éducation musicale)
Bruchs Evergreen erstmals im Urtext Mit der Erstaufführung durch Joseph Joachim und mit Erscheinen der Druckausgabe 1868 schlug Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 die Erfolgsspur ein, die es seitdem nicht mehr verlassen hat. Dem Vorwort der „Breitkopf Urtext“-Ausgabe ist jedoch zu entnehmen, wie es hinter dieser glänzenden Fassade aussah. Der Komponist rang nach der Uraufführung um die endgültige Form, schrieb „3, 4 Durchführungen im Finale“, suchte den Rat berühmter Virtuosen (J. Joachim, Ferdinand David) für die Überarbeitung der Solopartie. Als dies erreicht war (siehe oben) litt Bruch unter der Popularität des Werks: „Habe ich vielleicht bloß dieses eine Concert geschrieben?“ Die Urtext-Neuausgabe geht vorwiegend auf den Erstdruck zurück. Von Brisanz ist neben dieser Hauptquelle und dem Autograph auch eine Solostimme mit Eintragungen von Joachim und Bruch. Sie belegt, wie intensiv sich beide um die endgültige Gestalt des Werks bemühten.
Im September 1961 erschien in der sowjetischen Literaturnaja Gazeta Jewgeni Jewtuschenkos Gedicht „Babi Jar“, das die Massenerschießung von mehr als 33.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern unweit der Stadt Kiew durch die deutschen Besatzer im Jahr 1941 thematisiert. Zutiefst ergriffen von dem Gedicht, nahm Schostakowitsch es zum Ausgangspunkt für sein Sinfonie Nr. 13 für Bass, Männerchor und Orchester. Gegen den Widerstand und alle Einschüchterungsversuche der politischen Führung, die eine derart explizite Benennung jüdischen Leidens zu vermeiden suchte, wurde die Sinfonie am 18. Dezember 1962 im ausverkauften Großen Saal des Moskauer Konservatoriums uraufgeführt. Die vom Publikum gefeierte Premiere wurde am nächsten Tag in der Prawda mit nur einem einzigen knappen Satz erwähnt. Dieser Band ist Teil der überarbeiteten und korrigierten Neuausgabe aller 15 Sinfonien Dmitri Schostakowitschs aus dem Hause Boosey & Hawkes und Sikorski. Als großformatige Studienpartituren veröffentlicht, gewährleisten sie optimale Lesbarkeit. Alle Partituren sowie das zugehörige Orchestermaterial liegen in neuem Computersatz vor; die Orchesterstimmen sind zudem mit den Partituren der Neuen Schostakowitsch-Gesamtausgabe kompatibel.
Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb seine Sinfonie-Kantate Lobgesang im Auftrag der StadtLeipzig für das 400-jährige Jubiläum der Erfindungder Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg.Die Uraufführung fand am 25. Juni 1840 in derLeipziger Thomaskirche statt, am 23. September1840 folgte eine weitere Aufführung beim Musikfestin Birmingham.Formal versteht der Komponist die von ihm selbsthier erstmals und einmalig geschaffene Hybridgattungwörtlich: auf drei attacca ineinanderübergehende symphonische Sätze folgt die mehrteiligeLobgesang-Kantate Alles, was Odem hat.Die vorliegende Urtext-Ausgabe berücksichtigterstmals Stimmenmaterial, das für die erstenAufführungen in Leipzig erstellt wurde und zurKlärung etlicher unterschiedlicher Lesarten beiträgt.In der Chorpartitur blättern.„Der Herausgeber hat sich die Mühe gemacht, die 1841 im selben Verlag erstveröffentlichte Partitur mit dem Erstdruck der Stimmen zu vergleichen und konnte mit im Stimmensatz gefundenen Angaben zur Artikulation, Dynamik etc. die neue Partitur enorm bereichern.“ (Hans Gebhard, Chor und Konzert )
„Das Land der Künstler ist nun einmal Deutschland“, schreibt Mendelssohn 1831 von seiner Reise aus Italien, hier aber „ist das Land der Kunst“, und so ließ sich der 22-Jährige zu seiner „Italiänischen“ allerorten inspirieren, „die Sinfonie muß ich mir aufsparen, bis ich Neapel gesehen habe“ und beflügeln „es wird das lustigste Stück, das ich gemacht habe“, ohne das Werk jedoch wirklich niederzuschreiben. Dies erfolgte erst Anfang 1833, als der Komponist einen passenden Auftrag erhalten hatte aus London, wo er auch die Uraufführung im Mai 1833 dirigierte. Die ein Jahr später begonnene Überarbeitung blieb Fragment, Mendelssohn führte die Symphonie später nicht wieder selbst auf. Die bekannte Londoner Fassung bleibt also die einzige geschlossene Werkgestalt, die der Komponist der Öffentlichkeit vorgestellt hat, und in dieser Fassung erscheint die Italienische im Breitkopf Urtext basierend auf der Gesamtausgabe.
Zunächst die allgemeine Nachricht zur konsequent geschlossenen Werkgruppe: Mit der Neuausgabe der g-moll-Symphonie liegen die drei späten Mozart-Werke KV 543, 550 und 551 im Breitkopf Urtext vor. Und nun im Besonderen: Ähnlich wie bei seiner Neuedition der "Hafner-Symphonie" legt Henrik Wiese in der vorliegenden "Breitkopf-Urtext"-Partitur drei verschiedene Stadien der g-moll-Symphonie frei. Mozart schrieb das Werk zunächst ohne Klarinetten (1. Stadium), dann fügte er die Klarinetten hinzu (2. Stadium). Erst in einem letzten Schritt änderte er die Bläser-Instrumentation im Andante (3. Stadium). Mozart kehrte also nach der 2. Fassung (mit Klarinetten) wieder zur 1. Fassung (ohne Klarinetten) zurück. Damit avanciert die 1. Fassung ohne Klarinetten zur Fassung letzter Hand. Eine verblüffende Erkenntnis, die neues Licht auf die berühmte g-moll-Symphonie wirft. Beide Fassungen sind gleichwertig, sie lassen sich nun erstmals in Partitur und Stimmen bequem vergleichen, studieren und vor allem musizieren. Angemerkt sei noch ein äußerst praktischer Aspekt: die Orchesterstimmen lösen erstmals sämtliche Wende-Probleme (siehe dazu bitte die Musterseiten zu OB 5542 - Violine II).
Der G. Henle Verlag bündelt sämtliche Vokalwerke Beethovens mit Orchester in einem Gesamtpaket, das die Herzen der Sänger und Sängerinnen höher schlagen lassen wird: Von den zwei Messen und Beethovens einzigem Oratorium über seine populäre Chorfantasie und die Goethe-Vertonung „Meeres Stille und Glückliche Fahrt“ bis hin zu „Ah perfido!“ und anderen Soloarien bietet dieser Schuber Gelegenheit, die ganze Vielfalt von Beethovens vokaler Kunst zu studieren – natürlich auf höchster Qualitätsstufe: Alle Studien-Ausgaben basieren auf dem Text der Beethoven-Gesamtausgabe, Fußnoten verweisen auf interessante Fragen zur Edition und Aufführung. In knappen Vorworten geben die Herausgeber Einblick in den aktuellen Forschungsstand zur Entstehungs- und Aufführungsgeschichte.
Ludwig van Beethoven eroberte sich die Musikstadt Wien als Pianist – und er hat für sein Instrument, das Klavier, herausragende Werke geschaffen. Dazu zählen auch seine fünf Klavierkonzerte. Das Konzert Nr. 1 in C-dur op. 15 fand sogleich große Beachtung. Die breite Anlage, die große Orchesterbesetzung sowie der kraftvoll-brillante Solopart bedeuten eine klare Weiterentwicklung dieser Gattung nach Mozart. Diese Studien-Edition liefert den Text der Beethoven-Gesamtausgabe im handlichen Format und wird durch ein ausführliches Vorwort zur komplexen Entstehungsgeschichte und Quellenlage ergänzt. Die Edition korrigiert zahlreiche Fehler und Irrtümer, die in früheren Notenausgaben zu finden waren. „Hans-Werner Küthen gibt diesen Meisterwerken die Ausgaben, die sie verdienen …“ lobt die Fachpresse.